Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig http://streiksoli.blogsport.de Fri, 08 Feb 2019 17:31:16 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en »Der Frauenstreik geht weiter« http://streiksoli.blogsport.de/2019/02/08/der-frauenstreik-geht-weiter/ http://streiksoli.blogsport.de/2019/02/08/der-frauenstreik-geht-weiter/#comments Fri, 08 Feb 2019 17:31:16 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2019/02/08/der-frauenstreik-geht-weiter/ Am 20.02.2019 zeigen wir zusammen mit der Produzentin und einer Protagonistin im Ost-Passage-Theater den Film „Der Frauenstreik geht weiter“.

Der Film zeigt den Kampf polnischer Erzieherinnen, die in den katastrophal unterbesetzten kommunalen Kinderkrippen und -gärten Poznans arbeiten. Ausgehend von ihrer Kritik an der eigenen Doppelbelastung an schlecht bezahlter Lohnarbeit und nicht entlohnter Care-Arbeit zu Hause entwickeln sie ihre Forderungen. Seit 2011 organisieren sie sich in der der Basisgewerkschaft IP, die auch im Amazon FC in Poznan aktiv sind.

Sie konnten erfolgreich Druck auf den städtischen Arbeitgeber ausüben. Zurückzuführen ist das auf die über die Jahre gewachsene Solidarität mit den Eltern der Kindern. „Wir kämpfen auch, um das Leben von anderen Leuten zu verbessern“. Im Herbst 2016 schlossen sich die Erzieherinnen den Demonstrationen gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes an. Die Bedeutung gemeinsamer Kampfaktionen betonen die Aktivistinnen als das Mittel der Wahl, um die Gegenseite zu Zugeständnissen zu zwingen.

In der Diskussion mit der Produzentin des Filmes, Magda Malinowska und einer am Kampf beteiligten Erzieherin wollen wir folgende Fragen besprechen: Was können die Erzieher*innen in deutschen Einrichtungen von den kämpfenden Kolleg*innen mitnehmen? Was bedeutet Streiksolidarität in Kämpfen im staatlichen Sektor? Was können wir konkret für den Frauen*Streik am 8.März aus diesen Kämpfen lernen?

Dokumentarfilm von 2018 – polnisch mit deutschen Untertiteln

20.02.2019, 19 Uhr
Ost-Passage-Theater
Konradstr. 27, 04315 Leipzig

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Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-ArbeiterInnen – Bad Hersfeld, 28. bis 30. September 2018 http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/18/abschlusserklaerung-des-grenzuebergreifenden-treffens-von-amazon-arbeiterinnen-bad-hersfeld-28-bis-30-september-2018/ http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/18/abschlusserklaerung-des-grenzuebergreifenden-treffens-von-amazon-arbeiterinnen-bad-hersfeld-28-bis-30-september-2018/#comments Thu, 18 Oct 2018 10:38:05 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/18/abschlusserklaerung-des-grenzuebergreifenden-treffens-von-amazon-arbeiterinnen-bad-hersfeld-28-bis-30-september-2018/ Ende September fand in Bad Hersfeld ein transnationales Treffen von Amazon-Beschäftigten und Unterstützer*innen statt. Wir unterstützen es bereits seit längerem, weil nur durch enge transnationale Zusammenarbeit Gegenmacht gegen Amazon in Europa und weltweit aufgebaut werden kann, um eine bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu erzwingen.

Das ist die Abschlusserklärung, die ihr auch auf der Seite des transnationalen Netzwerkes amworkers findet.

Etwa 25 Beschäftigte und UnterstützerInnen aus Polen, Deutschland, Frankreich und den USA trafen sich zum siebten grenzüberschreitenden Treffen seit 2015 (das erste Treffen 2015 fand auch in Bad Hersfeld statt).

Das Treffen begann mit Berichten aus den Standorten. Unter anderem wurde berichtet:

In Polen gab es eine erneute Lohnerhöhung: Der Bruttostundenlohn ist seit 2014 von 13,00 auf 18,50 Zloty gestiegen.
In Poznan fand eine Protestaktion der Gabelstaplerfahrer gegen disziplinarische Maßnahmen statt.
Die staatliche polnische Gewerbeaufsicht übt wegen etlicher Gesetzesverstöße Druck auf Amazon aus.
In verschiedenen Lagern in den USA gibt es neue Organisationsbemühungen von Amazon-Beschäftigten.
In Bad Hersfeld gab es neuen Zulauf bei den Streiks, ein gutes Ergebnis von Ver.di bei den Betriebsratswahlen und verstärkte Organisierungsbemühungen.
Zum ersten Mal wurden in Bad Hersfeld kurze Intervallstreiks durchgeführt.

Im weiteren Verlauf des Treffens wurde in Arbeitsgruppen über die Erfahrungen mit verschiedenen Arbeitskampfformen und über die Forderungen der ArbeiterInnen in den verschiedenen Ländern diskutiert.

Am Ende des Treffens beschlossen wir gemeinsam folgende Schritte:

Wir beginnen eine Kampagne gegen den Einsatz von Arbeitsvorgaben zur Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit.
Da die Informationslage weiterhin unbefriedigend ist, gründen wir Gruppen, die Daten zu Löhnen, Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsformen in den Amazon-Lagern sammeln und analysieren. Die Ergebnisse sollen auf dem nächsten grenzübergreifenden Treffen im März präsentiert werden.
Es wird bald weitere Safe-Package-Aktionen (‘Arbeit strikt nach Vorschrift!’) geben.
Neben den Organisierungsbemühungen auf Betriebsebene werden wir uns darauf konzentrieren, Druck auf Amazons Luxemburger Zentrale auszuüben. Die Details dazu werden noch geklärt.
Das nächste Treffen wird Mitte März 2019 in Polen stattfinden. Der genaue Ort und weitere Details werden noch in diesem Jahr bekanntgeben.

Für weitere Informationen, die nächste Einladung, Neuigkeiten, Kontakt usw. siehe unseren Blog https://amworkers.wordpress.com.

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Amazon – der unendliche Arbeitskampf? http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/08/amazon-der-unendliche-arbeitskampf/ http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/08/amazon-der-unendliche-arbeitskampf/#comments Mon, 08 Oct 2018 19:27:17 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2018/10/08/amazon-der-unendliche-arbeitskampf/ Diesen Freitag, den 12.10.2018, findet im Rahmen der Kritischen Einführungswochen an der Universtität Leipzig von 17-19 Uhr eine Veranstaltung der DGB-Hochschulgruppe und des Streiksoli-Bündnis Leipzig statt.

Zusammen mit einem Beschäftigten von Amazon, der seit Anfang an beim Streik dabei ist, wollen wir auf über 5 Jahre Arbeitskampf zurückblicken. Wir wollen darüber sprechen, wieso Arbeiter*innen bei Amazon immer wieder die Arbeit niederlegen und sich gegen die digitale Despotie zur Wehr setzen. Außerdem werden wir von unseren Erfahrungen mit der Streiksoli-Arbeit berichten. Mit den Gästen wollen wir diskutieren, warum es so wichtig ist, den Kampf in Leipzig und an anderen Standorten zu unterstützen und überlegen welche Möglichkeiten es dafür gibt.

Die Veranstaltung findet im Hörsaal 14 im Hörsaalgebäude am Augustusplatz statt.

Hier der Ankündigungstext aus dem Programm der KEW:

Seit fünf Jahren kämpfen die Beschäftigten von Amazon für bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag. Trotz aller Schikanen und der scheinbaren Übermacht des Internet-Giganten geben sie nicht klein bei. Viele Menschen haben sie bereits bei ihren Streiks und ihrem Kampf gegen die digitale Despotie unterstützt. Wie kann diese Solidarität weiter entwickelt werden und welche Möglichkeiten gibt es, Arbeitnehmer*innen zu unterstützen?

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Weihnachten soll wehtun http://streiksoli.blogsport.de/2016/12/24/weihnachten-soll-wehtun/ http://streiksoli.blogsport.de/2016/12/24/weihnachten-soll-wehtun/#comments Sat, 24 Dec 2016 13:31:53 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2016/12/24/weihnachten-soll-wehtun/ Weihnachten soll wehtun

amazon weihnachten
(Bild: dpa)

Mit Spontanität wollen die Amazon-Arbeiter den Konzern unter Druck setzten

Eine große Kampagne gegen die Arbeitsbedingungen bei Amazon vor Weihnachten sucht man in diesem Jahr vergebens. Das liegt jedoch nicht an Untätigkeit sondern an einer neuen Taktik der Gewerkschaft.

Von Peter Nowak

Bis Weihachten wird an den Amazon-Standorten Rheinberg, Werne und Koblenz gestreikt. Der Ausstand begann am 21.Dezember. Damit ist der Kampf der Amazon-Beschäftigten für einen neuen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzelhandels wieder neu entbrannt. In den vergangenen Jahren fand der Arbeitskampf vor allem in den Weihnachtstagen ein großes öffentliches Interesse. Schließlich ist der Onlinekonzern in dieser Zeit besonders druckempfindlich, weil sehr viele Menschen Bestellungen aufgeben.

Im November und der ersten Dezemberhälfte wurde auch in diesem Jahr an 12 Tagen an unterschiedlichen Amazon-Standorten die Arbeit niedergelegt. Dass diese Ausstände medial wenig Beachtung fanden, lag auch an der veränderten Streiktaktik der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. »Es werden nicht alle Streiks per bundesweiter Pressemitteilung bekannt gemacht. Wenn in einem Landesbezirk gestreikt wird, wird dies über eine Landespressemitteilung bekannt gegeben«, erklärt Thomas Voss vom verdi-Fachbereich Handel gegenüber »nd«. Die neue Streiktaktik habe sich aber bewährt, meint der Gewerkschaftssekretär. Die flexible Strategie, bei der Streiks sehr kurzfristig bekannt gemacht werden, mache es für Amazon schwer, zu reagieren und sich auf den Ausstand vorzubereiten. »Das führt zu spürbaren Störungen der Arbeitsabläufe mit Auswirkungen auf die Auslieferung und treibt die Kosten für Amazon in die Höhe. Denn das Unternehmen hat an vielen Standorten Ersatzbeschäftigte eingestellt, die dann nicht zum Einsatz kommen, weil wir zum angenommenen Zeitpunkt eben nicht streiken«, betont Voss. Dabei seien allein in Leipzig im November rund 7000 sogenannte unproduktive Stunden angefallen.

Dass Amazon manchmal mehr Geld ausgeben muss, wenn nicht gestreikt wird, bestätigt auch David Johns vom Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig gegenüber »nd«. Die zusätzlich eingestellten Ersatzbeschäftigten müssen ebenso bezahlt werden, wie die regulären Mitarbeiter. Wenn es dann doch zu verlängerten Mittagspausen kommt, wie eine der flexiblen Arbeitskampfmethoden genannt wird, sei die Stimmung gut und es würden auch sich auch Beschäftigte daran beteiligen, die vorher abseits standen.

Das außerbetriebliche Bündnis unterstützt seit mehr als drei Jahren die Beschäftigten, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.Es wurde zum Vorbild für Solibündnisse an anderen Amazon-Standorten. Das letzte bundesweite Treffen der Solidaritätsgruppen fand im November 2016 am Standort Bad Hersfeld statt. Dort wurde auch das Konzept des Konsumentenstreiks entwickelt. Kunden sollten Waren bestellen und anschließend von der Möglichkeit der Rücksendungen gebrauch machen. Dabei sollten die Sendungen mit Unterstützungsbekundungen der Streikenden versehen werden.

»Wir waren organisatorisch nicht in der Lage, diese Kunden-Kampagne so auszuweiten, dass sie sich für Amazon auch finanziell bemerkbar macht«, meint Johns. Ver.di bietet für ihre Aktion Aufkleber an, die für die Rücksendungen verwendet werden können. Darauf heißt es unter anderem: »Behandeln Sie die Amazon-Mitarbeiter/innen fair!«

»Eine präzise Auswertung können wir nicht bieten. Wir wissen aber, dass sie auf großes Interesse bei Kunden stößt und der Arbeitgeber Amazon sie sehr wohl registriert«, meint Thomas Voss. Über die weitere Perspektive des Amazon-Streiks will sich der Gewerkschaftssekretär nicht äußern. Nur soviel, der Kampf werde weitergehen. »So lange bei Amazon kein Tarifvertrag existiert, muss sich das Unternehmen jederzeit auf Arbeitskampfmaßnahmen und auch weitere Streiks einstellen. Und wir werden bei unserer derzeitigen flexiblen Streiktaktik bleiben, weil wir sie als sehr erfolgreich ansehen«, stellt Voss klar.

Auch das Solibündnis hat seine Arbeit keineswegs eingestellt, selbst wenn die Homepage seit einem Jahr nicht erneuert wurde. »Wir haben in letzter Zeit mehr mit den Kollegen vor Ort gearbeitet, als bundesweite Kampagnen gemacht«, begründet David John diese digitale Inaktualität. Das Bündnis bereitet das am polnischen Amazon-Standort Wroclaw geplante Treffen der Beschäftigten vor. Dort wollen Amazon-Beschäftigte aus verschiedenen Ländern darüber beraten, wie sie Amazon transnational unter Druck setzen können.

Der Artikel erschien im Neuen Deutschland:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1036281.weihnachten-soll-wehtun.html

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Spendenaufruf! http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/spendenaufruf/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/spendenaufruf/#comments Wed, 16 Dec 2015 10:43:59 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/spendenaufruf/ Kost‘ ja alles Geld..

Das Streiksolibündnis braucht finanzielle Unterstützung!
Den Aktivismus gibts gratis, aber auch wir müssen Material- und Druckkosten bezahlen..
Vor allem das Material für den Konsument*innenstreik hat finanziell ganzschön reingehauen.
Also Spendet doch mal was, muss auch nicht viel sein.

Name: Libertad!
IBAN: DE64430609678020068500
BIC: GENO DE M 1 GLS
Institut: GLS Gemeinschaftsbank
Verwendungszweck: Konsumentenstreik

Material für den konsument*innenstreik könnt ihr natürlich weiterhin unter streiksoli@riseup.net bestellen!

Vielen Dank!

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Solidarität paradox: Streikunterstützung durch Bestellungen http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/solidaritaet-paradox-streikunterstuetzung-durch-bestellungen/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/solidaritaet-paradox-streikunterstuetzung-durch-bestellungen/#comments Wed, 16 Dec 2015 10:27:02 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/solidaritaet-paradox-streikunterstuetzung-durch-bestellungen/ Mario Frank vom Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig über den Arbeitskampf der Beschäftigten bei Amazon und den Konsumentenstreik

Interview: Sebastian Friedrich

Obwohl Beschäftigte seit drei Jahren immer wieder streiken, um Tarifverhandlungen zu erzwingen, versucht Amazon weiterhin den Arbeitskampf auszusitzen. Das Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig möchte nun mit einem Streik der Konsument_innen den Druck von außen erhöhen.

Wie können Konsumentinnen und Konsumenten streiken?

Mario Frank: Wir rufen dazu auf, bei Amazon zu bestellen und die Pakete mit einer Solidaritätserklärung an die Beschäftigten zurückzusenden. Damit können wir den Beschäftigten in dem sehr harten und zähen Arbeitskampf den Rücken stärken. Außerdem ist es eine Möglichkeit, ökonomisch Druck zu erzeugen, denn die rückgesendeten Pakete bescheren Amazon eine unprofitable Zusatzarbeit. Das ist ganz bewusst kein Boykottaufruf. Ein solcher war den Streikenden zu heikel, denn innerhalb der Belegschaft ist es verbreitete Ansicht, ein Boykott gefährde Arbeitsplätze. Momentan sind die Fronten zwischen den streikenden und den nichtstreikenden Angestellten verhärtet. Wir wollen die Spaltung innerhalb der Belegschaft nicht vertiefen.

Gibt es ein Restrisiko für streikende Konsumenten, auf den Waren sitzenzubleiben?

Es besteht kein Risiko. Amazon hat sich vertraglich verpflichtet, bei einem Warenwert von über 40 Euro vollständig die Portokosten zu übernehmen und die Ware zurückzunehmen. Wer sich beteiligt, muss zunächst einmal das Geld überweisen, bekommt es dann aber wieder zurück. Man muss allerdings darauf achten, das Paket innerhalb der zweiwöchigen Widerrufsfrist zurückzusenden.

Eure Kampagne läuft seit einer Woche. Gibt es schon Rückmeldungen?

Uns erreichen gerade die ersten Nachrichten von Leuten, die uns Fotos von ihren Solidaritätserklärungen und ihren Rücksendungen schicken. Auch darüber hinaus gibt es positive Rückmeldungen. Es gab einige Artikel in linken Publikationen und positives Feedback in den sozialen Medien. Viele Menschen haben den Amazon-Streik solidarisch verfolgt und nach einer Möglichkeit der Beteiligung gesucht, die über irgendwelche Protestpostkarten an die Amazon-Geschäftsführung hinausgeht. Aber es ist noch deutlich Luft nach oben. Wir sind auf die Hilfe vieler Multiplikatoren angewiesen, die die Idee des Konsumentenstreiks in ihre Milieus und Gruppen tragen. Das ist ein auch ein Aufruf an die ak-Leserinnen und -Leser.

Wie geht die Unternehmensleitung mit Streiks und Solidarität von außen um: Gibt es Versuche, Stimmung gegen die kämpferischen Teile der Belegschaft und gegen euch zu machen?

Amazon behauptet immer, die Streiks würden keinen Schaden für das Unternehmen anrichten. In Wirklichkeit lassen sowohl die Streiks als auch unsere Solidaritätsaktionen Amazon alles andere als kalt. Als wir vor etwa zwei Jahren Flyer vor dem Amazon-Standort in Leipzig verteilt haben, hat Amazon bei den Vorarbeitern massiv Stimmung gegen uns gemacht. Sie behaupteten, wir würden die Arbeitsplätze der Beschäftigten zerstören. Auch als wir gemeinsam mit Streikenden kurzzeitig die Werkstore besetzt und Lastwagen gehindert haben, auf das Gelände zu fahren, hat Amazon versucht, einen Keil zwischen uns und die Betriebsgruppe zu treiben. Das Unternehmen hat offensichtlich Angst davor, dass es uns gelingt, aus der betrieblichen eine gesellschaftliche Auseinandersetzung zu machen.

Und gibt es auch direkte Reaktionen von Amazon auf die Streiks?

Amazon hat aktuell in allen neun Logistikcentern in Deutschland eine Anwesenheitsprämie angekündigt. Wer im Weihnachtsgeschäft zwanzig Tage am Stück arbeitet, also nicht krank ist, keinen Urlaub macht und nicht streikt, bekommt 200 Euro zusätzlich ausgezahlt. Das interpretieren wir als unverhohlenen Versuch, Streikende zu kaufen und Leute dazu zu bringen, krank zu arbeiten. Das zeigt, dass die Streiks der vergangenen Jahre entgegen der Konzernpropaganda etwas bewirkt haben, Amazon rechnet offensichtlich mit einem Streik, sonst hätten sie sich diese Abwehrmaßnahme nicht überlegt.

Ihr habt den Zeitpunkt nicht zufällig gewählt. Im Weihnachtsgeschäft stellt Amazon immer zusätzliche Personen als Streikbrecher an. Stimmt es, dass Amazon mittlerweile vermehrt Geflüchtete anwirbt?

Wir haben keine genauen Zahlen. Aber wir wissen von Genossinnen und Freunden aus den Flüchtlingsheimen, dass Amazon dort sehr präsent ist. Sie versuchen Geflüchtete für eine auf einen Monat befristete Aushilfstätigkeit anzuwerben. Amazon ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Eliten versuchen, die aktuelle Situation auszunutzen.

In der Vergangenheit haben häufiger indische Studierende als Saisonkräfte gearbeitet. Die meisten Saisonkräfte beteiligen sich nicht an Streiks, auch weil viele hoffen, in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen zu werden, was fast nie passiert. Es kam damals zu relativ heftigen rassistischen Vorkommnissen in der Belegschaft gegenüber diesen indischen Saisonarbeitern. Das kann jetzt wieder passieren, wenn ein Verteilungskampf um Arbeitsplätze losgeht und die Belegschaft sieht, dass Geflüchtete als Streikbrecher eingesetzt werden.

Anfang Oktober fand im polnischen Poznan ein internationales Vernetzungstreffen für einen transnationalen Streik statt. (ak 609) In Poznan protestierten einige Wochen zuvor Beschäftigte für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen und solidarisierten sich mit den Streiks bei Amazon in Deutschland. Wie schaut es bei euch mit der internationalen Vernetzung aus?

Vertreter aus unserem Bündnis waren in Poznan dabei. Dass der Arbeitskampf gegen Amazon transnational koordiniert wird, ist meiner Meinung nach eine der zentralen Erfolgsbedingungen. Die drohende Standortkonkurrenz zwischen deutschen und polnischen Versandzentren könnte die Spaltung der Belegschaft in Streikende und Nichtstreikende verfestigen. In unserer regelmäßigen Streikkneipe versuchen wir gerade den internationalen Austausch zwischen den Belegschaften zu fördern. Wir planen gerade im Rahmen der Streikkneipe eine Veranstaltung mit Aktivisten der Basisgewerkschaft IP, die die Tarifauseinandersetzung in Poznan führen.

Selten war es so einfach, sich mit den Streikenden bei Amazon zu solidarisieren und ökonomischen Druck auf den Onlineversandhändler aufzubauen. Wer sich nicht nur selbst am Streik der Konsument_innen beteiligen, sondern auch andere überzeugen möchte, kann unter streiksoli@riseup.net kostenlos oder gegen Spende Material bestellen.

Quelle: http://www.akweb.de/ak_s/ak611/32.htm

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Dies ist kein Boykott – Artikel im Neuen Deutschland http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/dies-ist-kein-boykott-artikel-im-neuen-deutschland/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/dies-ist-kein-boykott-artikel-im-neuen-deutschland/#comments Wed, 16 Dec 2015 10:24:10 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/16/dies-ist-kein-boykott-artikel-im-neuen-deutschland/ Streik bei Amazon: Soligruppen rufen zum Konsumentenstreik auf

Das Leipziger Solidaritätsbündnis ruft anlässlich des Streiks bei Amazon dazu auf, bei dem Online-Händler Waren zu bestellen, die eigentlich nicht benötigt werden und diese nach Erhalt wieder zurückzuschicken – mit einer beigelegten Solidaritätsnachricht an die Streikenden. Bei einem Warenwert von über 40 Euro hat sich Amazon vertraglich verpflichtet, die Kosten für die Hin- und Rücksendung zu übernehmen. Gegenüber einem Boykott des Unternehmens hat diese Aktionsform verschiedene Vorteile: Zum einen entsteht für den Konzern unprofitable Mehrarbeit. So kann es gelingen, mit Hilfe der Konsument*innen den ökonomischen Druck auf den Konzern zu erhöhen. Zum anderen erfahren durch die Solidaritätsbotschaften auch die Beschäftigten von der Unterstützung.

Seit dem Frühjahr 2013 befinden sich die Beschäftigten von Amazon im Arbeitskampf. Der Streik nahm von Bad Hersfeld und Leipzig seinen Ausgang und hat sich inzwischen auf fast alle Standorte ausgeweitet. So befinden sich inzwischen sieben von insgesamt neun Logistikcentern im Streik. Im Kern geht es in dieser Auseinandersetzung darum, auch bei Amazon den Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels durchzusetzen, während sich der Konzern an den niedrigeren Löhnen in der Logistikbranche orientiert und Verhandlungen mit der Gewerkschaft bis heute verweigert. Doch nicht nur die niedrigeren Löhne, sondern auch der massive Einsatz von Befristungen, die gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen – der Krankenstand liegt derzeit bei 20 Prozent –, die unzureichenden Pausenregelungen, der hohe Arbeitsdruck und die Überwachung am Arbeitsplatz sorgen für Unzufriedenheit bei den Beschäftigten.

Amazon ist der weltweit größte Onlinehändler und hat im Jahr 2014 einen Gewinn von insgesamt 33,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Deutschland ist dabei mit 14 Prozent vom Gesamtumsatz der bedeutendste Auslandsmarkt. Weil dem Konzern damit in dem stark wachsenden Sektor des Online-Handels eine entscheidende Bedeutung zukommt, wird der Ausgang dieser Tarifauseinandersetzung auch für die weitere Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse in Deutschland insgesamt entscheidend sein. »Wenn sich der Konzern in diesem Konflikt durchsetzen kann, wird es künftig auch anderen Unternehmen erleichtert, Tarifverträge und Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu verweigern. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ein Erfolg der Streikenden auf andere Auseinandersetzungen ausstrahlen kann«, sagt Jana Wild vom Leipziger Streiksolibündnis. Die Gruppe hatte sich im Frühjahr 2013 gegründet und versucht seitdem, den Streik mit verschiedenen Aktionen zu unterstützen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch eine kritische Öffentlichkeitsarbeit.
»Amazon hat inzwischen eine professionelle Medienstrategie. Sie laden z.B. regelmäßig Pressevertreter zu sogenannten Medientagen ins Werk ein, bei denen diese natürlich nur die Sicht des Konzerns geschildert bekommen. Damit konnten sie die Presseberichterstattung zu ihren Gunsten beeinflussen. Dem müssen wir etwas entgegensetzen«, so Wild weiter. Gerade die Tarifauseinandersetzungen im Sozial- und Erziehungsdienst oder auch in der Berliner Charité in diesem Jahr hätten gezeigt, dass es wichtig ist, breite Netzwerke von Unterstützer*innen einzubeziehen, um den öffentlichen und den ökonomischen Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Amazon bietet hier nur wenig Möglichkeiten. Die Arbeit findet hinter geschlossenen Fabriktoren statt, die Werke liegen meist an der Peripherie der Städte und fernab von den Kund*innen. Für sie ist Amazon nur im Internet wahrnehmbar. »Genau hier setzt unsere Kampagne an. Wir haben uns gefragt, wie Kund*innen, die Amazon nur durch das Internet kennen, den Arbeitskampf der Beschäftigten unterstützen können. So ist die Idee des Konsument*innenstreiks entstanden«, erzählt die Aktivistin des Solidaritätsbündnisses.
»Gerade im Weihnachtsgeschäft erwirtschaftet Amazon einen Großteil des Gewinns. Hier soll der Konsument*innenstreik ansetzen. Wir hoffen, dass es damit gelingt, eine grundsätzliche Debatte über prekäre Lebensbedingungen in Deutschland anzustoßen und auch andere Beschäftigte zu ermutigen, sich gegen ihre prekären Arbeitsverhältnisse zur Wehr zu setzen«, hofft Jana Wild.

Quelle: www.neues-deutschland.de/artikel/993444.dies-ist-kein-boykott.html

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Dies ist kein Boykott … Aufruf zum Konsument*innenstreik! http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/02/dies-ist-kein-boykott-aufruf-zum-konsumentinnenstreik/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/02/dies-ist-kein-boykott-aufruf-zum-konsumentinnenstreik/#comments Wed, 02 Dec 2015 16:36:33 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/12/02/dies-ist-kein-boykott-aufruf-zum-konsumentinnenstreik/

Lest unseren Aufruf, teilt und verbreitet ihn:

Bereits seit über zwei Jahren kämpfen die Beschäftigten bei Amazon für einen Einzelhandels-Tarifvertrag. Und das aus gutem Grund, denn der Erfolg des Modells Amazon basiert auf der Ausbeutung der Beschäftigten und ihren schlechten Arbeitsbedingungen. Damit das größte Kaufhaus der Welt alle Kund*innen rechtzeitig beliefern und damit gigantische Profite erwirtschaften kann, werden die Beschäftigten einem rigiden System aus Druck und Kontrolle unterworfen. Jeder Schritt und die kleinste Verschnaufpause werden von einem Überwachungssystem elektronisch erfasst.

Mit diesen Daten wird individueller Druck auf die Beschäftigten ausgeübt. Ein Teil von ihnen ist durch befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit ständiger Existenzangst ausgesetzt. Regelmäßig fallen Beschäftigte im Sommer in den stickigen und überhitzten Versandhallen in Ohnmacht, der Krankenstand liegt permanent bei etwa 20 Prozent! Gewerkschaftliche Organisierung in den Betrieben wird behindert. Obwohl der Umsatz im Jahr 2014 bei 33,5 Mrd. Dollar lag, zahlt Amazon so gut wie keine Steuern. Und trotz vieler Streiks in den letzten drei Jahren weigert sich die Geschäftsleitung, mit Ver.di in Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu treten. Einigen wenigen beschert dieser Turbo-Versand Milliarden-Gewinne, aber für viele bedeutet er alltäglich Stress, Geringschätzung und Unsicherheit.

Mittlerweile wird an fast allen deutschen Standorten gestreikt und auch die internationale Zusammenarbeit, z.B. mit Gewerkschafter*innen in Polen, entwickelt sich. Dennoch gelingt es den Streikenden bisher leider nicht, genug ökonomischen Druck aufzubauen, um Amazon an den Verhandlungstisch zu zwingen. Eine Lösung des Konflikts ist nach wie vor nicht abzusehen. Daher ist es jetzt an uns solidarischen und kritischen Menschen, den Streik von außen zu unterstützen.

Wir rufen Euch daher zum Konsument*innen-Streik auf!

Der Konsument*innen-Streik funktioniert ganz einfach: Ihr bestellt bei Amazon Waren, die ihr eigentlich gar nicht benötigt, und schickt diese – am besten mit einer Solidaritätsnachricht an die Streikenden – nach Erhalt umgehend zurück. Gegenüber einem Boykott hat dies mehrere Vorteile: Zunächst kostet die Aktion Amazon unmittelbar Geld, da unprofitable Mehrarbeit entsteht und der Händler sich vertraglich verpflichtet, bei einem Warenwert von über 40 Euro die Portokosten für die Hin- und Rücksendung zu übernehmen. Damit helfen wir den Streikenden also direkt, ökonomischen Druck aufzubauen, damit Amazon endlich mit seinen Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen verhandelt. Außerdem erfahren die Beschäftigten im Gegensatz zu einem stillen Boykott von der Unterstützung durch uns kritische Konsument*innen. Und vielleicht gelingt es uns sogar, eine Diskussion der Rolle Amazons für die immer größere Unsicherheit von Arbeits- und Lebensverhältnissen in Gang zu setzen.

Damit die Aktion deutschlandweit Bekanntheit erlangt und sich hoffentlich viele Menschen daran beteiligen, brauchen wir Eure Hilfe. Beteiligt Euch mit Retoursendungen und schickt uns Fotos Eurer Solibotschaften für unsere Facebook-Seite. Bitte bestellt bei uns Infomaterial (Flyer und Poster) und verteilt dieses in Euren Städten. Das Material kostet nichts, wir brauchen nur die gewünschte Zahl und Eure Postadresse. Wer helfen möchte, die Kosten der Aktion zu decken, kann uns außerdem was spenden. Kontodaten gibts auf Anfrage.

Link zum Plakat: https://2ek.mooo.com/index.php/s/gMVos8JafcPA72u
Link zum Flyer: https://2ek.mooo.com/index.php/s/suzibxB2IHkjfIn

Gemeinsam sind wir stark! Das Streik-Solibündnis Leipzig

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Tarifabschluss in der Gebäudereinigung und Video vom Flashmob an der Universität Leipzig http://streiksoli.blogsport.de/2015/11/18/tarifabschluss-in-der-gebaeudereinigung-und-video-vom-flashmob-an-der-universitaet-leipzig/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/11/18/tarifabschluss-in-der-gebaeudereinigung-und-video-vom-flashmob-an-der-universitaet-leipzig/#comments Wed, 18 Nov 2015 13:09:22 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/11/18/tarifabschluss-in-der-gebaeudereinigung-und-video-vom-flashmob-an-der-universitaet-leipzig/ In den letzten Monaten vor dem Auslaufen des Tarifvertrages im Gebäudereinigungshandwerk waren wir viel unterwegs, um Möglichkeiten der Streikunterstützung auszuloten: Wir haben Gespräche mit Beschäftigten geführt, Demonstrationen der IG BAU besucht und kleinere Aktionen der Solidarität durchgeführt. So wollten wir uns vorbereiten, um einen möglichen Streik der Gebäudereiniger*innen unterstützen zu können. Mittlerweile ist klar: Es gab in dieser Tarifrunde eine Einigung, ohne dass es zum Streik gekommen wäre. Das Ergebnis ist aus unserer Sicht durchwachsen: Auf der einen Seite stehen relativ große Lohnsteigerungen. Demgegenüber stehen jedoch minimale Fortschritte beim Ost-West-Angleich. Außerdem fehlen weiterhin verbindliche Regelungen über die von einer Reinigungskraft zu putzenden Flächen, um der Leistungsverdichtung einen Riegel vorzuschieben.

Wie wir dieses Ergebnis bewerten und in welchem Rahmen das Streiksolibündnis zur Gebäudereinigung weiterarbeiten wird, besprechen wir bei einem offenen Treffen am Mittwoch, den 09.12.2015 02.12.2015 um 17 Uhr im Stadtteilladen Zwei|Eck (Zweinaundorfer Straße 22), zu dem wir euch herzlich einladen.

Bis dahin möchten wir euch dieses Video unserer Soliaktion an der Universität Leipzig ans Herz legen:

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Veranstaltungsreihe des Leipziger Streiksolibündnis http://streiksoli.blogsport.de/2015/10/15/veranstaltungsreihe-des-leipziger-streiksolibuendnis/ http://streiksoli.blogsport.de/2015/10/15/veranstaltungsreihe-des-leipziger-streiksolibuendnis/#comments Thu, 15 Oct 2015 20:30:07 +0000 Administrator Allgemein http://streiksoli.blogsport.de/2015/10/15/veranstaltungsreihe-des-leipziger-streiksolibuendnis/

Befristete Beschäftigungsformen, der Einsatz von Leih- und Zeitarbeit, die Erhöhung des Leistungsdrucks, die Bezahlung unter Tarif und die Ausgrenzung von Gewerkschaften prägen inzwischen einen großen Teil der Arbeitswelt in Deutschland.
Der Prozess der Prekarisierung ist aber nicht nur als die Herausbildung eines bestimmten Beschäftigungssegments zu verstehen, sondern bezeichnet in einem umfassenderen Sinne die Ungewissheit des Zugangs zu zentralen Grundlagen der Lebensführung, zu Arbeit, Wohnraum, sozialen Sicherungen und sozialen Beziehungen. Der Einzelne wird in die Verantwortung genommen, die für eine erfolgreiche Bewährung notwendigen Ressourcen zu erwerben und soll sich das eigene Scheitern selbst zurechnen.
Die Veranstaltungsreihe will danach fragen, wie Beschäftigte, soziale Bewegungen und Gewerkschaften auf diese Herausforderungen reagieren, welche Deutungsmuster und Handlungsstrategien sie entwickeln, um sich gegen diese Tendenzen zur Wehr zu setzen. Nicht zuletzt soll auch diskutiert werden, welche Rolle Streikunterstützungsgruppen dabei spielen können.

Im Osten nichts Neues?
Gewerkschaftlicher Rückenwind in Ostdeutschland zwischen nachholender Demokratisierung und Union Busting
Auch nach 25 Jahren liegen zwischen den alten und den neuen Bundesländern noch Welten: geringere Löhne, höhere Erwerbslosenraten, die weiter reichende Verbreitung prekärer Beschäftigung sind ebenso augenfällig wie die geringere gewerkschaftliche Organisierung in den Betrieben.
Nunmehr gibt es allerdings Anzeichen eines Trendwechsels. Die IG Metall als auch die NGG können im Osten auf Organisierungserfolge verweisen! Es mehren sich die Beispiele von Kämpfen um betriebliche Mitbestimmung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Gegenstand des Vortrags wird sein, wie stark der Rückenwind für die Gewerkschaften in Ostdeutschland ausgeprägt ist, welche zentralen Ursachen und gewerkschaftlichen Organisierungsprozesse ihm zugrunde liegen und welcher Gegenwind diesem entgegenschlägt. Über ähnliche oder widersprechende Erfahrungen in anderen Branchen bzw. mit anderen Gewerkschaften soll mit den Anwesenden reflektiert und gewerkschaftsstrategische Herausforderungen diskutiert werden.
Vortrag von Marcel Thiel
23.09.2015, 11 Uhr, im Volkshaus

Allen Grund zu streiken? Subjekte im logistischen Einzelhandel am Beispiel von Amazon in Leipzig

Der Einzel- und Versandhandel befindet sich in einer Umbruchsituation, in der Unternehmen wie Amazon mitmischen. Eine schnelle Bestellung von unterwegs und die Lieferung des Einkaufs bis vor die Haustür werden im Alltag vieler Kund*innen immer wichtiger, besonders in der Weihnachtszeit.
Mit der Weihnachtssaison kündigen sich auch neue Streiks bei Amazon an. Schon seit Mai 2013 sind Beschäftigte in Versandzentren in Leipzig und Bad Hersfeld immer wieder in den Ausstand getreten. Bei den letzten Streiks beteiligten sich bis zu 7 der 9 Standorte. Diese Streiks werfen verschiedene Fragen auf. Der Vortrag geht der Frage nach, warum ein Teil der Beschäftigten in Leipzig eigentlich seit mehr als zwei Jahren streikt und was andere Beschäftigte davon abhält, sich an den Streiks zu beteiligen. Sabrina Apicella stellt die Ergebnisse aus mehreren Feldforschungsaufenthalten 2013 und 2014 in Leipzig, aus einer Umfrage mit Beschäftigten bei Amazon in Leipzig sowie aus mehreren Interviews zur Diskussion.
Vortrag von Sabrina Apicella
25.10.2015, um 18 Uhr im ZWEI|ECK

Atypische Beschäftigung und Prekarisierung – Die neue Normalität?!

Konnten sich bis in die 80er Jahre viele Beschäftigte ihrer Arbeitsstelle relativ sicher sein und damit ihrer Lebensplanung bis zu einem gewissen Grad einen Rahmen geben, hat sich das Blatt gewandelt. Befristete Beschäftigung, Arbeit auf Leiharbeits- und Werkvertragsbasis, Lohndumping und krankmachende Arbeitsbedingungen sind für immer mehr Beschäftigte die heutige Normalität. Wie es dazu gekommen ist, was das alles mit dem Kapitalismus und dem Markt zu tun hat und was sich daraus für Handlungsoptionen der Gegenwehr ergeben könnten, soll in diesem Vortrag gemeinsam diskutiert werden.
Vortrag von Philipp Lorig
29.10.2015, 20 Uhr, im ZWEI|ECK

Erneuerung geht von unten aus. Neue gewerkschaftliche Organisierungsansätze im Einzelhandel – Das Beispiel H&M

Krisen- und Erneuerungsdiagnosen über Gewerkschaften liegen im Trend. In nahezu allen Diskussionen gilt Organizing als Wundermittel, um die Krise zu bewältigen. Strategien von betrieblichen Aktiven und deren Reaktionen auf veränderte Kontrollformen im Unternehmen geraten dabei allerdings aus dem Blick, deren Potenziale und Probleme bleiben unbeachtet. In der Studie „Erneuerung geht von unten aus. Neue gewerkschaftliche Organisierungsansätze im Einzelhandel – das Beispiel H&M“ werfen wir einen kritischen Blick auf Organizing und die Debatten darum. Anhand des Beispiels der Betriebsratsarbeit bei H&M wollen wir Suchprozesse nach einer anderen, erneuerten Gewerkschaftsbewegung diskutieren. In der Veranstaltung wollen wir unsere Thesen zur Diskussion stellen und gemeinsam mit Euch überlegen, welche Konsequenzen sich daraus für eine inner- und außergewerkschaftliche Praxis ergeben.
Vortrag von Markus Rhein
12.11.2015, 18 Uhr, im ZWEI|ECK

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