Veranstaltungsreihe des Leipziger Streiksolibündnis

Befristete Beschäftigungsformen, der Einsatz von Leih- und Zeitarbeit, die Erhöhung des Leistungsdrucks, die Bezahlung unter Tarif und die Ausgrenzung von Gewerkschaften prägen inzwischen einen großen Teil der Arbeitswelt in Deutschland.
Der Prozess der Prekarisierung ist aber nicht nur als die Herausbildung eines bestimmten Beschäftigungssegments zu verstehen, sondern bezeichnet in einem umfassenderen Sinne die Ungewissheit des Zugangs zu zentralen Grundlagen der Lebensführung, zu Arbeit, Wohnraum, sozialen Sicherungen und sozialen Beziehungen. Der Einzelne wird in die Verantwortung genommen, die für eine erfolgreiche Bewährung notwendigen Ressourcen zu erwerben und soll sich das eigene Scheitern selbst zurechnen.
Die Veranstaltungsreihe will danach fragen, wie Beschäftigte, soziale Bewegungen und Gewerkschaften auf diese Herausforderungen reagieren, welche Deutungsmuster und Handlungsstrategien sie entwickeln, um sich gegen diese Tendenzen zur Wehr zu setzen. Nicht zuletzt soll auch diskutiert werden, welche Rolle Streikunterstützungsgruppen dabei spielen können.

Im Osten nichts Neues?
Gewerkschaftlicher Rückenwind in Ostdeutschland zwischen nachholender Demokratisierung und Union Busting
Auch nach 25 Jahren liegen zwischen den alten und den neuen Bundesländern noch Welten: geringere Löhne, höhere Erwerbslosenraten, die weiter reichende Verbreitung prekärer Beschäftigung sind ebenso augenfällig wie die geringere gewerkschaftliche Organisierung in den Betrieben.
Nunmehr gibt es allerdings Anzeichen eines Trendwechsels. Die IG Metall als auch die NGG können im Osten auf Organisierungserfolge verweisen! Es mehren sich die Beispiele von Kämpfen um betriebliche Mitbestimmung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Gegenstand des Vortrags wird sein, wie stark der Rückenwind für die Gewerkschaften in Ostdeutschland ausgeprägt ist, welche zentralen Ursachen und gewerkschaftlichen Organisierungsprozesse ihm zugrunde liegen und welcher Gegenwind diesem entgegenschlägt. Über ähnliche oder widersprechende Erfahrungen in anderen Branchen bzw. mit anderen Gewerkschaften soll mit den Anwesenden reflektiert und gewerkschaftsstrategische Herausforderungen diskutiert werden.
Vortrag von Marcel Thiel
23.09.2015, 11 Uhr, im Volkshaus

Allen Grund zu streiken? Subjekte im logistischen Einzelhandel am Beispiel von Amazon in Leipzig

Der Einzel- und Versandhandel befindet sich in einer Umbruchsituation, in der Unternehmen wie Amazon mitmischen. Eine schnelle Bestellung von unterwegs und die Lieferung des Einkaufs bis vor die Haustür werden im Alltag vieler Kund*innen immer wichtiger, besonders in der Weihnachtszeit.
Mit der Weihnachtssaison kündigen sich auch neue Streiks bei Amazon an. Schon seit Mai 2013 sind Beschäftigte in Versandzentren in Leipzig und Bad Hersfeld immer wieder in den Ausstand getreten. Bei den letzten Streiks beteiligten sich bis zu 7 der 9 Standorte. Diese Streiks werfen verschiedene Fragen auf. Der Vortrag geht der Frage nach, warum ein Teil der Beschäftigten in Leipzig eigentlich seit mehr als zwei Jahren streikt und was andere Beschäftigte davon abhält, sich an den Streiks zu beteiligen. Sabrina Apicella stellt die Ergebnisse aus mehreren Feldforschungsaufenthalten 2013 und 2014 in Leipzig, aus einer Umfrage mit Beschäftigten bei Amazon in Leipzig sowie aus mehreren Interviews zur Diskussion.
Vortrag von Sabrina Apicella
25.10.2015, um 18 Uhr im ZWEI|ECK

Atypische Beschäftigung und Prekarisierung – Die neue Normalität?!

Konnten sich bis in die 80er Jahre viele Beschäftigte ihrer Arbeitsstelle relativ sicher sein und damit ihrer Lebensplanung bis zu einem gewissen Grad einen Rahmen geben, hat sich das Blatt gewandelt. Befristete Beschäftigung, Arbeit auf Leiharbeits- und Werkvertragsbasis, Lohndumping und krankmachende Arbeitsbedingungen sind für immer mehr Beschäftigte die heutige Normalität. Wie es dazu gekommen ist, was das alles mit dem Kapitalismus und dem Markt zu tun hat und was sich daraus für Handlungsoptionen der Gegenwehr ergeben könnten, soll in diesem Vortrag gemeinsam diskutiert werden.
Vortrag von Philipp Lorig
29.10.2015, 20 Uhr, im ZWEI|ECK

Erneuerung geht von unten aus. Neue gewerkschaftliche Organisierungsansätze im Einzelhandel – Das Beispiel H&M

Krisen- und Erneuerungsdiagnosen über Gewerkschaften liegen im Trend. In nahezu allen Diskussionen gilt Organizing als Wundermittel, um die Krise zu bewältigen. Strategien von betrieblichen Aktiven und deren Reaktionen auf veränderte Kontrollformen im Unternehmen geraten dabei allerdings aus dem Blick, deren Potenziale und Probleme bleiben unbeachtet. In der Studie „Erneuerung geht von unten aus. Neue gewerkschaftliche Organisierungsansätze im Einzelhandel – das Beispiel H&M“ werfen wir einen kritischen Blick auf Organizing und die Debatten darum. Anhand des Beispiels der Betriebsratsarbeit bei H&M wollen wir Suchprozesse nach einer anderen, erneuerten Gewerkschaftsbewegung diskutieren. In der Veranstaltung wollen wir unsere Thesen zur Diskussion stellen und gemeinsam mit Euch überlegen, welche Konsequenzen sich daraus für eine inner- und außergewerkschaftliche Praxis ergeben.
Vortrag von Markus Rhein
12.11.2015, 18 Uhr, im ZWEI|ECK