Das Netzwerk Streiksolidarität zum Streik im Weihnachtsgeschäft

Pressemitteilung vom 15.12. vom Netzwerk Streiksolidarität
Die Amazonbeschäftigten bestreiken das Weihnachtsgeschäft mit Unterstützung eines Bundesweiten Solidaritätsnetzwerkes. Gemeinsame Aktionen sind an vielen Amazon-Versandzentren und im öffentlichen Raum geplant. Solidarisch mit den Beschäftigten tritt das Netzwerk gegen ständige Überwachung am Arbeitsplatz und extremen Leistungsdruck unter deregulierten Arbeitsverhältnissen ein.

Es ist wieder soweit. Ab Montag treten die Beschäftigten von Amazon in Streik – mit Unterstützung eines bundesweit agierenden „Netzwerks Streiksolidarität“. Nach der ambivalenten Berichterstattung zum Thema Streik in den letzten Wochen, solidarisieren sich Unterstützergruppen überall in der Bundesrepublik mit den Beschäftigten von Amazon und Streikenden überall.

Im Laufe der letzten Jahre haben sich rund um soziale Kämpfe und Streiks – besonders in prekären Sektoren – einige Solidaritätsgruppen gegründet. Vor allem in Hamburg, Leipzig, Kassel und Berlin gab es gemeinsame Aktionen mit Beschäftigten, um öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen und ihre Verhandlungsposition in Streiks zu stärken. Aus der Unterstützungsarbeit hat sich vor einigen Wochen in Frankfurt/M ein bundesweites „Netzwerk Streiksolidarität“ gegründet, das in den kommenden Streiktagen bei Amazon in Kooperation agieren wird. Die Aktionen werden gemeinsam mit den Beschäftigten koordiniert.

In Berlin wird es Montag den 15.12.14 um 11 Uhr Infoaktionen an der Humboldt-Universität und der Freien Universität mit Beschäftigten und Verdi geben. Am Mittwoch fahren Unterstützer aus Frankfurt und Kassel nach Bad Hersfeld, um vor Ort in Austausch mit den Beschäftigten zu treten. Donnerstags ab 10.30 Uhr wird es in der Leipziger Innenstadt und auf dem Campus eine Kundgebung und eine Diskussionsveranstaltung mit Studierenden geben. Außerdem wird ein Sambaworkshop mit Studierenden und Beschäftigten stattfinden.

Zu den kommenden Tagen meint Michael vom Streiksolibündnis Leipzig: „Es wird über den gesamten Zeitraum des Streik unterstützende Aktionen von Seiten des Netzwerks geben. Wir treten gemeinsam und solidarisch für die Interessen der Beschäftigten ein“. Er ergänzt: „es ist nicht tragbar, dass ein Unternehmen wie Amazon Menschen in einem Zustand hält, in dem minimale Rechte mal gewährt, ein anderes Mal vorenthalten werden“. Grundsätzlich sind die Beschäftigten dem guten Willen des Unternehmens ausgeliefert. Daher ist Michael der Auffassung, „dass dieser Teufelskreis nur durch reale Bewegungen gebrochen werden kann. Dann, wenn Personengruppen ihr Schicksal in die Hand nehmen, sich organisieren“.
Ohne einen Tarifvertrag, das haben Viele noch nicht begriffen, haben die Beschäftigten keine Möglichkeit, ihre Arbeitsbedingungen mitzugestalten. Gestritten wird also nicht darum, ob Amazon nach Tarif der Logistik oder des Einzelhandels zahlt, sondern ob überhaupt ein Tarifvertrag gilt oder nicht. Über den Tarifvertrag entsteht erst die Voraussetzung, dass Beschäftigten vertraglich fixierte Rechte mitgestalten können. „Wir wollen nicht als Werkzeuge des Umsatzwachstums behandelt werden“ meint Marko vom Amazon-Versandzentrum in Leipzig. „ Wir arbeiten 8 Stunden am Tag in diesem Werk. Daher wollen wir auch mehr Mitspracherecht über die Bedingungen, unter denen wir arbeiten“.

Das Netzwerk Streiksolidarität wird sich dafür einsetzen, dass die Beschäftigten von Amazon in einem ersten Schritt zu einem Tarifvertrag kommen. Alle weiteren Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden wir unterstützen. Daher wird es weiterhin einen regen Austausch mit den Beschäftigten geben, um gemeinsame Aktionen zu planen.

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Kontaktadresse zum Solibündnis Leipzig: streiksoli@riseup.net