Streik bei Amazon in Leipzig – Pressemitteilung des Streik-Soli-Bündnisses Leipzig

Am 27. Oktober wurde der Streik für einen Tarifvertrag auch im Amazon-Logistikcenter in Leipzig fortgesetzt. Streikende und AktivistInnen aus sozialen Bewegungen haben die grüne Phase einer Fußgängerampel genutzt um den Lieferverkehr von Amazon aufzuhalten.

Nach einigen Monaten Ruhe wurde seit September wieder häufiger gestreikt, denn noch immer verweigert die Geschäftsleitung von Amazon in Verhandlungen über einen Tarifvertrag für die Beschäftigten zu treten. Zur Berechtigung des Streiks sagt Knasper Knusper vom Streiksolibündnis: „Das Modell Amazon basiert auf unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, extremem Leistungsdruck und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen spielt bewusst mit den Existenzängsten der Beschäftigten, um den Profit zu erhöhen und Protest kleinzuhalten.“

Seit Sommer 2013 gibt es in Leipzig das Streik-Solidaritäts-Bündnis, in dem sich vor allem Studierende und politisch Aktive zusammenfinden, um den Streik bei Amazon zu unterstützen und Solidarität zu organisieren. „Es geht nicht nur um den Betrieb Amazon. Die Agenda 2010 war ein gesamtgesellschaftlicher Angriff auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen. Das Modell Amazon ist Ausdruck davon. Die Folgen sind Unsicherheit, Existenzängste und Burnout. Dagegen wehren wir uns.“, sagt Jonas Bach weiter.
Steffen Höhne, einer der Streikenden hebt hervor: „In der heutigen Gesellschaft ist es selten, dass an andere gedacht wird. Die Unterstützung vom Solibündnis ist absolut wichtig.“.

Heute haben ca. 120 UnterstützerInnen und Streikende die Grünphasen einer Fußgängerampel genutzt, um den Lieferverkehr zu verzögern. „Mit Protestschildern und Trillerpfeifen haben wir den LKWs den Weg versperrt. Uns ist es wichtig, den Protest aktiv voranzutreiben. Wenn Amazon seine Beschäftigten ignoriert, müssen wir den Druck erhöhen“, legitimiert Jonas Bach die Aktion. Viele der wartenden LKW-Fahrer haben sich solidarisch gezeigt, denn so Steffen Höhne: „Wenn wir uns bewegen, bewegen wir die Gesellschaft. Die Probleme sind überall die gleichen.“ Thomas Schneider von Ver.di betont: „Auch Arbeitskampf ist ein Lernprozess. Die Unterstützung aus sozialen Bewegungen hilft uns, neue Aktionsformen zu erproben.“

Die Geschäftsführung von Amazon reagierte, indem sie ein großes Polizeiaufgebot auffahren ließ, um die freie Fahrt der Liefertransporte abzusichern. „Hier zeigt sich eine Strategie den Protest autoritär zu beantworten. Während uns verboten wird, über eine grüne Ampel zu gehen, weigert sich Amazon den Beschäftigten elementare Rechte, wie einen Tarifvertrag, zu gewähren. Günther Wallraff hat die Arbeitsverhältnisse bei Amazon als eine Form moderner Sklaverei beschrieben. Amazon ist dabei nur ein Beispiel für die Verschärfung von Arbeitsverhältnissen. Dagegen ist Protest immer legitim!“

Eins steht jedenfalls fest, so Andreas Sandi, Vertrauensmann bei Verdi: „Wir streiken weiter, bis Amazon sich an den Verhandlungstisch setzt.“

Streiksolibündnis Leipzig