Rede vom 28.10.2013

Unser Redebeitrag, den wir beim Streik am 28.10.2013 vor dem Amazon-Versandcenter in Leipzig gehalten haben:

Redebeitrag des Streik-Solibündnisses auf dem Amazon-Streik am 28.10.2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir sind vom Streik-Solibündnis. Mittlerweile haben die meisten sicher schon von uns gehört. Die große Frage ist deshalb aber noch nicht geklärt:
Warum engagiert ihr als Studierende euch überhaupt in unserem Arbeitskampf?
Viele Leute fragen uns nach unserem persönlichen Nutzen in der Sache. Es geht aber nicht um den Nutzen, sondern es geht darum Solidarität zu zeigen!
Egal ob vor, bereits neben dem Studium oder erst danach: Wir alle müssen irgendwann arbeiten, um leben zu können. Und wir wollen unsere Arbeit und unser Leben selbstbestimmt gestalten. Wir haben Vorstellungen davon, wie unser Arbeitsleben später einmal aussehen soll:
Wir wollen:

• (einmal) einen Arbeitslohn haben, der ausreichend genug ist um ohne staatliche Unterstützung leben zu können. Das heißt für uns konkret: einen gesetzlich geregelten Mindestlohn in Höhe von mindestens 10€/h
• Wir wollen, Arbeitszeiten bei denen man noch Zeit für Familie, Kinder und Politische Aktivität hat und keine wie vom Arbeitgeberverband geforderten sog. „flexiblen“ und „kundenorientierteren“ Arbeitszeiten
• Wir wollen Arbeitsverhältnisse, die unbefristet sind und uns eine sichere Lebensplanung ermöglichen.
• Wir wollen arbeiten ohne unter ständigem Leistunsdruck zu stehen oder überwacht zu werden
• Und wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in dem es ein Harz IV-System gibt, das Arbeitslose wie Dreck behandelt und Druck auf Beschäftigte ausübt
• Vor allem aber wollen wir kämpfen für eine wirkliche demokratische Mitbestimmung in Betrieb und in der Gesellschaft.
Wir können eure Forderungen und die der Gewerkschaft ver.di also nur mit Nachdruck befürworten. Deshalb müsste die Eingangsfrage also unserer Meinung nach ganz anders gestellt werden:
Wie kann man sich NICHT mit Menschen solidarisch zeigen, die jetzt schon für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen?
Ihr habt Vorbildcharakter, denn ihr tretet mit eurem Arbeitskampf selbstbewusst für eure elementaren Rechte ein und nehmt es dabei mit einem Weltkonzern wie amazon auf. Dafür können wir nicht anders als unseren Respekt und unsere Hochachtung vor diesem Mut auszusprechen!
AMAZON ist ein Weltkonzern und erfüllt als solcher eine doppelte Vorbildfunktion: Als offen gewerkschaftsfeindlicher Großkonzern ist AMAZON einerseits Vorbild für andere Unternehmen, wie man Arbeitnehmer effektiv auspresst und zu funktionierenden, nicht mehr denkenden Arbeitsrobotern umbaut.
Andererseits hat auch der Streik Vorbildcharakter für andere AMAZON Standorte hier in Deutschland und auch in den USA, sowie hoffentlich auch in andere Branchen hinein – und da sind noch weiter dicke Bretter zu bohren – Stichwort Zalando.

Aber wie können wir euch dabei unterstützen?
Euer Arbeitskampf findet gerade fernab der Stadt vor den Werkstoren vor Amazon statt. Einerseits ist das gut, denn ihr konfrontiert damit eure arbeitenden KollegInnen und die Geschäftsleitung. Andererseits braucht es auch die Öffentlichkeit um auf die Geschäftsführung Druck auszuüben. Und genau darauf haben unsere bisherigen Aktionen abgezielt:
Bin in einer Woche haben wir trotz Semesterferien 500 Unterschriften gesammelt von Menschen, die euren Arbeitskampf gut und wichtig finden und euch mit ihrer Unterschrift ihre Solidarität zeigen möchten. In einem weiteren Flyer des Bündnisses haben wir zu einem politisch gestalteten „KonsumentInnenstreik“ aufgerufen und damit die Geschäftsführung scheinbar an einem wunden Punkt getroffen. Denn die Antwort darauf kam umgehend: Der Versuch uns durch einen Boykottvorwurf zu spalten. Wir hoffen, dass euch auch unsere sofortige Gegenreaktion erreicht und überzeugt hat, dass wir niemals zu einem Boykott aufgerufen haben.
Und es wird weitergehen: Mit einer Solidaritäts-Foto-Aktion möchten wir jedem, ob Streikende oder Streikunterstützende die Möglichkeit geben Gesicht zu zeigen, für den Arbeitskampf bei amazon. Und damit wollen wir gleich heute und hier anfangen:
Schnappt euch Stift und Pappe und schreibt eine Nachricht darauf: warum ihr streikt, was ihr fordert, warum ihr den Streik unterstützt oder jede Botschaft die ihr der Amazon-Geschäftsleitung oder der Öffentlichkeit zukommen lassen möchtet. Gerne könnt ihr auch welche von unseren vorbereiteten Sprechblasen verwenden (hochhalten). An unserem Stand dort drüben (wo?) könnt ihr euch dann damit fotografieren lassen. Wir werden alle Bilder sammeln und im Internet veröffentlichen. Hoffentlich finden sich viel tausend Menschen, die Gesicht zeigen gegen Ausbeutung und prekäre Arbeitsverhältnisse! Werbt deshalb auch in eurem Bekannten- und Freundeskreis für die Aktion! Mehr Infos über uns und die Aktion gibt’s da drüben an unserem Infostand.
Aber:
Wir können euren Streik nur solidarisch unterstützen und eure Forderungen in der Öffentlichkeit verbreiten. Den Arbeitskampf müsst ihr selber führen. Deshalb lasst euch nicht kleinkriegen von Vorwürfen ihr würdet ohnehin schon viel verdienen, freiwilligen Lohnerhöhungen, sowie prekäres Weihnachtsgeld seitens der Geschäftsführung oder leeren Drohungen das Werk würde schließen, sondern kämpft weiter für eure elementaren Rechte. Das sich Amazon weigert Verhandlungen aufzunehmen ist ein Skandal – und das wird von der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen – aber euer Arbeitskampf ist die richtige Antwort darauf.
Zum Schluss noch kurz ein Wort zu unserem Bündnis-Slogan „Streik! Wir sind alle Amazon“
Immer mehr Menschen arbeiten und leben in diesem reichen Deutschland unter prekären Bedingungen und können von ihren Löhnen kaum mehr leben. Amazon als weltweiter Konzern steht symptomatisch genau für dieses Geschäftsmodell – die eigenen Profite erhöhen auf Kosten der Löhne.
Die Löhne bei Amazon sind nämlich nur durch euren Druck und die wachsende Organisierung von ver.di im Betrieb erst auf das jetzige Niveau angehoben worden! Deshalb hat euer Streik Vorbildcharakter. Führt ihn zu einem guten Ende – und holt euch euer Stück vom Kuchen!