Archiv für Oktober 2013

Rede vom 28.10.2013

Unser Redebeitrag, den wir beim Streik am 28.10.2013 vor dem Amazon-Versandcenter in Leipzig gehalten haben:

Redebeitrag des Streik-Solibündnisses auf dem Amazon-Streik am 28.10.2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir sind vom Streik-Solibündnis. Mittlerweile haben die meisten sicher schon von uns gehört. Die große Frage ist deshalb aber noch nicht geklärt:
Warum engagiert ihr als Studierende euch überhaupt in unserem Arbeitskampf?
Viele Leute fragen uns nach unserem persönlichen Nutzen in der Sache. Es geht aber nicht um den Nutzen, sondern es geht darum Solidarität zu zeigen!
Egal ob vor, bereits neben dem Studium oder erst danach: Wir alle müssen irgendwann arbeiten, um leben zu können. Und wir wollen unsere Arbeit und unser Leben selbstbestimmt gestalten. Wir haben Vorstellungen davon, wie unser Arbeitsleben später einmal aussehen soll:
Wir wollen:
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Streik bei Amazon geht weiter!

Wir haben die Streikenden gefragt, was ihre Ziele sind. Seht selbst! In den kommenden Tagen werden weitere Bilder hochgeladen…

Streik, weil... #2

Stellungnahme KonsumentInnenstreik

Hintergrund: In unserem Flyer (Link), den wir zu verschiedenen Anlässen verteilt haben, rufen wir zum „KonsumentInnenstreik“ auf. Wir haben dazu aufgefordert, Waren bei Amazon zu bestellen und diese, versehen mit einer Grußnotiz an die Streikenden, wieder zurückzuschicken.1 Diese Aufforderung hat die Amazon-Geschäftsführung als Boykottaufruf ausgelegt, um uns bei der Belegschaft zu diskreditieren. Daher haben wir diesen Flyer zur Klarstellung verteilt.

Stellungnahme (amazon-) Streik-Solibündnis

Lassen wir uns nicht spalten! Gemeinsam sind wir stark!

Mit Freude haben wir, das (amazon) Streik-Solibündnis, zur Kenntnis genommen, dass unser Flugblatt, welches wir auf der Streikdemo am 20.09.2013 in Leipzig verteilt haben, nun auch die Geschäftsführung von amazon erreicht hat und dort für Aufregung sorgt.
Das Bündnis, das sind überwiegend StudentInnen in Leipzig. Was uns alle verbindet, ist der Wille die gegenwärtigen Verhältnisse, unter denen wir leben und arbeiten müssen, zu verbessern.
In dem Flugblatt wurde zum „KonsumentInnenstreik“ aufgerufen, den die Geschäftsführung nun mit einem Boykott gleichsetzt.
Das stimmt nicht! Beim „KonsumentInnnenstreik“ geht es darum einzukaufen aber den Kaufvorgang politisch zu gestalten. Warum? Wir wollen eine Verbindung zwischen KundInnen und Beschäftigten von amazon herstellen: mit Hilfe einer politischen Botschaft, die der Rücksendung beigefügt wird. Denn wir als amazon-KundInnen sind mit eurem Streik solidarisch!
Offenbar fürchtet die Geschäftsführung genau diese Solidarität! Deshalb versucht sie nun ver.di und uns einen Aufruf zum Boykott zu unterstellen.
Zu keiner Zeit haben wir zu einem Boykott aufgerufen.
Wir wissen genauso gut wie ihr, dass viele Bestellungen notwendig sind, um mit dem Arbeitskampf überhaupt Druck zu entfalten.
Auch in Zukunft wollen wir deshalb unsere Unterstützung weiter mit euch absprechen, um gemeinsam politisch zu handeln und die Öffentlichkeit über eure berechtigten Forderungen informieren.
Lassen wir uns nicht von falschen Vorwürfen und Gerüchten spalten!

Das (amazon) Streik-Solibündnis
Kontakt: streiksoli@riseup.net

  1. Die Portokosten muss bei Widerruf innerhalb von zwei Wochen und Warenwert von über 40 Euro Amazon tragen, das ist gesetzlich vorgeschrieben [zurück]

Rede

Rede des Streiksoli-Bündnisses gehalten am 20.09.2013 auf der ver.di Amazon-Streikkundgebung auf dem Augustusplatz Leipzig

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wir sind vom Streiksoli-Bündnis Leipzig. Unser Bündnis ist zusammengesetzt aus verschiedenen linken Gruppen und aktiven Einzelpersonen. Was uns aber Alle verbindet ist der Wille die gegenwärtigen Verhältnisse unter denen wir leben und arbeiten müssen zu verändern:

Das heißt für uns aktiv zu werden für:
* Existenzsichernde Löhne ab mindestens 10€/h und damit meinen wir eine gesetzlich festgelegte Lohnuntergrenze für alle Branchen!
* Arbeitsverhältnisse nach denen man noch Zeit für Familie, Kinder und Politische Aktivität hat
* Arbeitsverhältnisse die unbefristet sind und eine sichere Lebensplanung ermöglichen.
* Arbeiten ohne Leistungsdruck und Überwachung!
* Eine Gesellschaft ohne Hartz IV-System, das Arbeitslose wie Dreck behandelt und Druck auf Beschäftigte ausübt.
* Zu streiten für wirklich demokratische Mitbestimmung in Betrieb und Gesell-schaft.

Mit eurem Streik für einen Tarifvertrag kämpft ihr für eure elementaren Rechte: höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.
Zwar haben sich die Löhne bei AMAZON in den letzten Jahren durch euren Druck erhöht, aber dass ist nicht mehr als ein Almosen der Geschäftsführung. Erst ein Tarifvertrag mitsamt allen Regelungen, macht freiwillige Zugeständnisse der Geschäftsführung zu Rechten!
AMAZON ist trotzdem kein besonders schwarzes Schaf, sondern ein Symptom für das kapitalistische Wirtschaftssystem, dass darauf ausgelegt ist unsere Löhne zu drücken, um höhere Profite zu erwirtschaften.
AMAZON ist dabei dennoch nicht irgendein Symptom:
AMAZON ist ein Weltkonzern und erfüllt als solcher eine doppelte Vorbildfunktion: Als offen gewerkschaftsfeindlicher Großkonzern ist AMAZON einerseits Vorbild für andere Unternehmen, wie man Arbeitnehmer effektiv auspresst und zu funktionierenden, nicht mehr denkenden Arbeitsrobotern umbaut.
Andererseits hat auch der Streik Vorbildcharakter für andere AMAZON Standorte hier in Deutschland und auch in den USA, sowie hoffentlich auch in andere Branchen hinein – Stichwort Zalando. Ihr macht mit eurem Kampf sicher anderen Mut sich ebenfalls zu wehren!

Dass ihr streikt und damit das Profitinteresse von AMAZON öffentlich infrage stellt, davor haben wir viel Respekt.
Dafür dass ihr euch für eure Rechte mit diesem Weltkonzern anlegt, habt ihr unsere Hochachtung.
Deswegen sind wir mit einem Stand an die Uni gegangen, um eurem Kampf und unseren Interessen Öffentlichkeit zu verschaffen. Trotz Semesterferien haben wir viele Menschen erreicht und binnen einer Woche 500 Unterschriften gesammelt! Die meisten Leute am Stand waren sehr aufgeschlossen und haben gern unterschrieben. Einige hatten selbst Erfahrungen bei AMAZON gesammelt. Der überwiegende Teil arbeitet selbst in prekären Minijobs. Selbst nach dem Studium ist die Perspektive oft schlecht. Jugendarbeitslosigkeit ist nicht nur in Süd-Europa ein großes Problem. Die zunehmende Perspektiv- und Arbeitslosigkeit macht auch vor der Uni nicht mehr halt.
Viele Kommilitoninnen haben uns von mieser Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen – etwa in der Gastronomie, in Callcentern oder im Einzelhandel – berichtet und sich gerade deswegen mit eurem Arbeitskampf solidarisiert. Lasst euch deshalb nicht kleinkriegen von Vorwürfen euer Streik sei nicht berechtigt, denn Andere würden noch weniger verdienen.
Das ist kein Argument, sondern ganz schlichte, neoliberale Propaganda!
Die Zahl der Vermögens-Millionäre ist trotz oder gerade wegen der Krise rapide gestiegen. Mehr als hunderttausend neue Millionäre sind dazugekommen. Die Mehrheit der Bevölkerung weiß hingegen nicht mehr, wie sie das notwendigste zum Leben bezahlen soll.
Die ungleiche Verteilung von Vermögen ist das Problem, nicht die Höhe eurer berechtigten Lohnforderungen!

Die Spaltung in verschiedene Branchen und verschiedene nationale Standorte folgt diesem neoliberalen Prinzip von Teilen und Herrschen. Es lenkt den Blick weg von den realen gesellschaftlichen Konflikten. Wir sollten diesem Trend der Entsolidarisierung deshalb unsere geballte Solidarität entgegensetzen.
Wir sollten über Nationalitäten und Standortfragen hinaus unser gemeinsames Interesse im Blick behalten:
* Wir alle wollen Löhne, von denen man nicht nur überleben, sondern wirklich leben kann!
* Wir alle haben gern Zeit für Familie, Hobbys, Politik.
* Wir alle wollen ohne Druck und Hetze arbeiten!
Wir sollten uns deshalb nicht länger ausspielen lassen gegen „die faulen Südeuropäer“, die – in der Urlaubszeit – streikenden FlugbegleiterInnen, die sogenannten „faulen“ Hartz4-BezieherInnen, Rentner oder andere Gruppen.

Nicht nur in Deutschland herrscht das System von niedrigen Löhnen und unsicheren Arbeitsverhältnissen.
Die Agenda 2010 mit Hartz IV, Leiharbeit und Minijobs ist zum deut-schen Exportschlager geworden: Die deutsche Regierung exportiert Niedriglöhne, die Rente mit 67, sowie die Kürzung von Sozialleistungen aktuell in die europäischen Krisenländer und zerstört damit die Perspektive von Millionen Menschen hierzulande und europaweit. Doch auch in ganz Europa regt sich Widerstand. Wir solidarisieren uns mit den Generalstreiks in Griechenland und Spanien und eurem Tarifstreik bei AMAZON! Wir hoffen, dass das erst der Anfang war!
Das Sammeln von 500 Solidaritäts- Unterschriften war auch für uns erst der Anfang. Wir werden weiter versuchen öffentlichen Druck aufzubauen: Für die Solidarität mit eurem Streik werben und versuchen auch anderen Mut zu machen, sich selbst zu organisieren und zu wehren. Wir werden euch weiterhin bei eurem Kampf unterstützen und hoffen, dass wir in Zukunft auch andere Kämpfe gemeinsam führen werden: Kämpfe für eine Gesellschaft, in der unser Leben nicht dem Profitinteresse untergeordnet ist. Streikt deshalb weiter und lasst euch nicht von leeren Versprechungen der Geschäftsführung abspeisen.
Eure Forderungen sind keinesfalls übertrieben oder falsch, sondern es sind elementare Grundrechte. Dass sich die Geschäftsführung gegen Tarifverhandlungen wehrt, das ist ein Skandal! Aber euer Arbeitskampf ist die richtige Antwort darauf und wir werden euch weiterhin unterstützen!

Kontakt: streiksoli@riseup.net

Flyer

STREIK!
Wir sind alle amazon!

Die meisten haben schon einmal bei amazon bestellt: Es geht meist schnell, ist günstig und wird direkt nach Hause geliefert.

Was passiert hinter den Kulissen?
Leider basiert der Erfolg des Geschäftsmodells amazon aber auf schlechten Arbeitsbedingungen. Die Arbeitenden werden permanent und systematisch überwacht und sind einem zermürbenden Leistungszwang ausgesetzt. Dieser kristallisiert sich insbesondere in den gezielt eingesetzten, mit Existenzängsten spielenden Feedbackgesprächen. Denn 2/3 der Beschäftigten leben mit befristeten Arbeitsverträgen und damit in ständiger Angst um die eigene Zukunft. Sie arbeiten zudem bis in die späten Abendstunden, ohne dass dies mit Zuschlägen honoriert wird.
Auch die Situation der LeiharbeiterInnen, insbesondere der mit migrantischem Hintergrund, stellt sich schlecht dar. Viele sind in dürftigen Unterbringungen einquartiert und wurden bis zur Aufdeckung durch eine TV-Doku vor kurzem von einem Sicherheitsdienst mit Verbindung in die neonazistische Szene „beschützt“.

Was hat das mit uns zu tun?
Amazon ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in Leipzig und setzt die Standards für eine ganze Branche. Viele von uns arbeiten neben dem Studium zu ähnlich prekären oder noch schlechteren Bedingungen. Amazon erfüllt eine Signalfunktion auch für andere Unternehmen. Darum lohnt es sich, dort bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen.
Daher solidarisieren wir uns mit dem Streik der MitarbeiterInnen von amazon. Wir unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft ver.di u.a. nach Einbindung in den Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels, der Auszahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie der Zahlung des Nachtzuschlags.

Was kannst du tun?
Wir rufen auf zum „KonsumentInnenstreik“! Bestell etwas bei amazon.de und schicke es zurück. Anbei legst du diesen Flyer oder einen eigenen Brief, indem du die Missstände kritisiert. Du unterstützt damit eine Aktion der MitarbeiterInnen von amazon und zeigt Ihnen damit, dass sie nicht alleine stehen. Dir entstehen dabei keine Portokosten, wenn der Preis über 40 EUR liegt und du innerhalb von 14 Tagen ab Erhalt der Ware zurückschickst.

Bündnis zur Unterstützung der Streikenden bei amazon
http://streiksoli.blogsport.de // streiksoli@riseup.net